Wie der Focus versucht die Aussage einer eigenen Umfrage umzudrehen

Screenshot des Focus am 29.01.15
Screenshot des Focus am 29.01.15
Der Focus titelt am 29.01.16 „Kanzlerin in Bedrängnis – 40 Prozent der Deutschen wollen Merkels Rücktritt“, doch das ist nur ein Teil der eigenen Umfrage. Auch wenn deren Ergebnis für die Bundeskanzlerin alles andere als positiv ist, zeigt die Umfrage deutlich, dass eine Mehrheit der Bevölkerung tatsächlich für Merkel ist, nämlich 45,2 Prozent. Doch diese Zahl erwähnt der Focus weder im Video, noch im Begleittext.

Da heißt es:

Kanzlerin in Bedrängnis – 40 Prozent der Deutschen wollen Merkels Rücktritt

39,9 Prozent der Bundesbürger fordern den Rücktritt von Bundeskanzlerin Angela Merkel auf Grund ihrer aktuellen Flüchtlingspolitik. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Insa für das Nachrichtenmagazin Focus. Nur knapp fünf Prozent mehr sind der Auffassung, die Flüchtlingspolitik sei kein Grund für einen Rücktritt. 14,9 Prozent machten keine Angaben.

Focus-Leser müssen also zunächst folgende Rechnung machen, um auf das tatsächliche Ergebnis für die Bundeskanzlerin zu kommen: 100-14,9-39,9=45,2.

Warum?

Professioneller und fairer Journalismus würde die Zahlen gleichwertig gegenüberstellen. Der Focus verzichtet darauf.

Focus geht sogar noch weiter. Er weist Merkel den Wert „fünf Prozent“ zu. Beim schnellen Lesen entsteht dadurch der unterbewusste Eindruck, es seien nur noch fünf Prozent für sie.

Zusammengefasst:

  • Der Focus schreibt die Wahrheit.
  • Der Focus titelt mit dem zweitplatzierten Ergebnis.
  • Der erstplatzierte Ergebnis erhält man erst, nachdem man eine Rechenaufgabe gelöst hat.
  • Der Focus verfälscht so die Aussage der eigenen Umfrage.